Streif- und Irrlichter – kommentiertes Zeitgeschehen von Anhalli


Auf dem Weg nach Budapest Etappe 2
September 26, 2008, 11:09
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Ab und zu zeigt sich die Donau in der gesamten beeindruckenden Breite. Am Ufer waren auch Schwimmer zu sehen. Leider war kaum Möglichkeit, an der Straße zu halten. Nur einmal gelang es mir kurz. Auf diesem Foto geht es ein Stück hinunter ans Ufer, das Helle ist das Wasser.

Ein für das Budget erfreuliches Bild. Diesel ist in Ungarn teurer als bei uns, und das Superbenzin kostete „nur“ zwischen 1,26 und 1,27 Euro.

Das rechnet sich aber nur, wenn man einen günstigen Wechselkurs eingetauscht hat. Entgegen der Behauptungen im Internet konnten wir allerdings an keiner Tankstelle mit Euro bezahlen.

Zu den schlechten Erfahrungen, die man als Ausländer macht, zählen immer wieder die Betrugsversuche mit den üblen Kursen, darauf war ich vorbereitet, allerdings fiel ich rein, als ich von einem Geldautomat Forint abheben wollte. Da wurde mir eine satte Gebühr von 15 Euro berechnet – für eine Summe von nicht einmal umgerechnet 100 Euro.

Die Banken verdienen dagegen nur Centbeträge, aber man fühlt sich wie ein Geldwäscher o.ä., weil man seinen Ausweis vorlegen und Zettel unterschreiben muss. In einer Wechselstube in der Vaci ut entfiel dieser Verwaltungsakt, und es wurden ebenso keine Gebühren berechnet.

Augen zu und durch. Die verstopfte Innenstadt. Dort wo freie Bahn ist, wird dann auch rücksichtslos gerast.

Am Sonntag (ich werde nie wieder irgendwo an einem Sonntag anreisen!!) kamen wir in den Genuss des typischen Ostblockcharmes, den ich irrtümlicherweise schon als Vergangenheit betrachtet habe.

Unser Hotel befand sich entgegen der Beschreibung nicht im Zentrum der Stadt, sondern außerhalb, eine Station vor der U-Bahn-Endstation.

Dort konnten wir nur ein paar Dinge wie Fahrkarten, Getränke oder Mahlzeiten in Euro bezahlen. Wieder gestaltete sich die Konversation als äußerst schwierig, obwohl alle Reiseführer immer wieder darauf hinweisen, dass man sich in Ungarn ohne Probleme auf Deutsch und Englisch verständigen könne.

Von außen und auch im Rezeptionsbereich sah alles tipp topp aus, harmonische Farben, warme erdige Töne wie in der Toskana. Die gesamte Atmosphäre war sehr ansprechend. Der Fahrstuhl war auch neu „eingekleidet“ worden, stellenweise war der alte Lack unter neuem verborgen, doch das Gefährt funktionierte. Für Hektik und Eile war er nicht gedacht, während er eine Etage mühsam hinaufhangelte, hatte man per Treppe bereits drei bewältigt.

Das Etablissement stellte sich dann als potemkinsches Gesamtwerk heraus. Dort, wo das Auge normalerweise nicht hinschaut, lagen tote Insekten, das lieblos hinübergeworfene Bettlaken offenbarte eine verfleckte, eklige Matratze. Die Bettwäsche, natürlich glatt und makellos weiß. Alles Tünche auf den zweiten Blick.

Die Hitze des Tages verlangte nach einer vitalisierenden Dusche, das Bad sah im Resttageslicht einladend sauber aus, das Duschbecken konnte sogar ohne Latschen betreten werden. Dafür funktionierte das Licht nicht. Man hätte also den Duschvorgang wie ein Halbblinder bei offener Tür bewältigen müssen.

Der 1. Versuch, das Problem mit der Lampe zu schildern, war erfolglos. Es sei niemand da, der es beheben könne, teilte man mit. Am nächsten Tag, sogar am nächsten Vormittag sei aber jemand da. Dabei standen seit dem Einchecken abwechselnd 2 Männer rauchend im Foyer, deren Aufgabenbereich sich mir nicht erschließen wollte.

Erst später begriff ich, dass für uns gar keinen nächsten Vormittag gab, denn wir hatten nur eine Nacht gebucht.

Beim 2. Versuch und dem festen Willen, nicht wie üblich nachzugeben und mich mit der Situation zu arrangieren, verlangte ich die Reparatur der Lampe oder ein anderes Zimmer. Sofort kam etwas Leben in den Servicebereich. Es war jetzt möglich, die Lampe zu reparieren. Ein Danke auf Ungarisch zauberte allerdings auch kein Lächeln auf das Gesicht des Mannes, den wir beim Nichtstun gestört hatten. Er war beleidigt und zog wortlos des Weges.

Jedes Mal wenn wir im Foyer auftauchten, war bei den Servicekräften ein kaum wahrnehmbares Zucken zu bemerken.

Den Hinweis, im Restaurant essen zu können, nahmen wir dankbar entgegen, es ersparte uns die Suche in diesem Stadtrandgebiet.

Im Restaurant geisterte aber nur eine Servicekraft herum, die nicht vorhatte, uns zu bewirten. Stattdessen zeigte sie immer auf die Uhr, und tat so, als gäbe es mordsmäßig viel zu tun.



Auf dem Weg nach Budapest
September 22, 2008, 7:02
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Nach Budapest fuhren wir entlang der Donau über Esztergom und Visegrad. Das ist eine sehr schöne Strecke mit allerhand Attraktionen. Die Straßen sind einfache Landstraßen, aber sehr gut zu befahren, und da dort nicht viel Verkehr herrscht, kommt man auch schnell voran.

Meistens hat man jedoch ein, zwei Fahrer, die an einem kleben, so dass man dort, wo es etwas zu sehen nicht urplötzlich an die Seite fahren kann.

Die Straßenschilder sind meistens grün, je nach Art der Straße, ob Autobahn etc. Alles ist so gut beschrieben, dass man sich (und darin bin ich Spezialistin *gg*) wirklich nicht verfährt, und nach Budapest gelotst wird. Auf jedem Schild steht dann noch die Entfernung bis Budapest.

Das Entziffern der Straßennamen ist eine Aufgabe für sich. Das ungarische Alphabet und die Aussprache hatte ich mir zuvor schon angeeignet, aber auf die Schnelle liest man die Wörter doch auf deutsch. So heißt z.B. Szombathely nicht Tzombattelie oder Sommbat’heli sondern Sombatej ,wobei das sz ein ß wie in Straße, das o ein offenes O wie in Motte ist und das ungarische A einem kurzen AO ähnelt, fast wie man es aus dem Dänischen kennt. L und y werden als j ausgesprochen.

Daneben gibt es dann die langen a’s und o’s mit den langen Strichen. Das wird auch dementsprechend lang ausgesprochen.

Diese Sprache ist eine wirkliche Herausforderung, aber sie klingt schön, und die Aussprache ist ansonsten nicht schwer. Betont wird nur auf der ersten Silbe, und viele lange Wörter, die so lang und unaussprechlich erscheinen, sind bei Beachtung der Regeln plötzlich viel leichter auszusprechen.

Gewundert hat mich sehr, dass die „jungen“ Ungarn in ihren BMW’s und in ihren PS starken ausländischen Automarken genau so rasen und drängeln wie hier, wenn nicht noch schneller. Sie hupen ebenfalls, wenn es ihnen nicht schnell genug geht, und vollführen dabei auch riskante Einfädelungsmanöver.

In Budapest – auf den Hauptverkehrsadern – wird meinem Gefühl nach auch recht schnell gefahren. Dafür sind die Kreuzungen noch überschaubarer, es gibt mehr Orientierungspunkte, wie z.B. Grünstreifen in der Mitte, bessere Verkehrsführungen oder Inseln, während in Deutschland oft die gesamte Kreuzung zuasphaltiert ist, und man oft kaum sieht, wie die Straßenführung nach links, rechts oder geradeaus verläuft.

Dafür ist in Budapest die Beschilderung nicht so gut, und schnell kommt einem eine Straße wieder „bekannt“ vor…, oder man landet im Randbezirk.

Die Straßen in Richtung Innenstadt sind teilweise hoffnungslos verstopft, und es passiert nur Stopp and go.

Wer an einem Zebrastreifen bremst, ist blöd und riskiert, dass der Hintermann hinten drauf fährt. So ist das leider in vielen osteuropäischen Ländern, davon wusste ich vorher und verhielt mich dementsprechend. In Verbindung mit einer Ampel kommt ein Fußgänger schon eher über die Straße, ansonsten wartet er artig und geht auch nicht einfach.

Nach einigen Stunden schlug mein Herz wieder normal, und ich fuhr entspannter.

Hier noch ein paar Impressionen, direkt aus dem Auto aufgenommen. Deshalb ist die Qualität nicht immer gut.

Komarom

Diese Stadt gibt es einmal auf der slowakischen Seite und einmal auf der ungarischen Seite.

Meine Tochter und ihr damaliger Freund lernten beide Seiten auf einer Tour kennen. Sie kannten sich nicht aus und kamen total erschöpft dort auf der slowakischen Seite an. „Angeblich“ verstand man dort aber weder deutsch, russisch noch englisch etc und war sehr unfreundlich und feindselig. Sogar dem Freund gegenüber, der in Polen geboren wurde und es mit polnisch versuchte, das dem slowakischen fast gleich ist.

Wenn jemand nicht helfen möchte, dann stellt er sich absolut stur, obwohl du seinem Gesicht ansiehst, dass er dich sehr wohl versteht, und auch eine andere Sprache spricht. Dieses Phänomen habe ich auch in Prag bemerkt. Es macht einen rasend vor Wut, aber man kann nichts machen, die bleiben dann bockig.

Anders dagegen auf der ungarischen Seite. Sofort wurde Hilfe angeboten, sogar für einen Schlafplatz in der Nacht gesorgt.



Postkarten
September 17, 2008, 8:30
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balaton

Als leidenschaftliche Sammlerin von Postkarten, egal ob beschrieben oder nicht, konnte ich an diesen originellen Motiven nicht vorbeigehen, ohne sie zu kaufen.



k.o., aber zufrieden
September 16, 2008, 8:19
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Seit gestern Abend bin ich wieder im „kalten“ Deutschland. Also es war wirklich ein grottenkalter und ungemütlicher Empfang hier.Allerdings regnete es auch schon in Tschechien, allein über Prag schien sich eine Menge abzuregnen, die sonst für Niedersachsen reicht.

In Ungarn herrschte Bombenurlaubswetter, Temperaturen um die 40 Grad (gefühlt), nur am Samstag schlug das Wetter um. Es regnete und kühlte sich ab. Das Wasser des Balaton glich der Nordsee, und Baden wäre Irrsinn gewesen. Obwohl es am Ufer fast durchgehend nur knie- bis hüfttief ist, und ruhig und unschuldig aussieht, entwickeln sich oft Stürme, die dann lebensgefährlich sind. Weil so viele den Balaton für harmlos halten, auch bei Sturm, sind schon einige unter Lebensgefahr gerettet worden.

Es passte alles, von A-Z, und allmählich geschieht die wundersame Heilung einer Pessimistin. Natürlich lag auch Post im Briefkasten, na klar. Natürlich von der Agentur, sie fordern Geld zurück. Aber nicht einmal diese Nachricht trübte in irgendeiner Weise meine Stimmung.

Nur gesundheitlich sieht es weniger rosig aus, Reizhusten und Halsschmerzen, ein Gefühl der Schwäche, so kündigt sich eine Grippe an.

Aus einigen Gründen freue ich mich auch, wieder hier zu sein.

– die Ungarn essen nur helles Brot – die Konsistenz erinnert an lappriges Toastbrot. Nirgendwo ein dunkles oder ein Mehrkornbrot o.ä. aufzutreiben

- das Trinkwasser wird gechlort, pfui, ich hab damit gerade mal meine Zähne geputzt, geduscht oder Kaffee gekocht. Aber getrunken habe ich nur Mineralwasser. Hier in Celle und Umgebung kommt aus der Leitung frisches Wasser, das nicht durch Klärwerke lief, sondern aus unterirdischen Quellen gefördert wird.

– die Kunst des Kaffeekochens beherrschte dort, wo ich mich aufhielt, auch niemand. Desto mehr freute ich mich schon in Wien auf einen richtigen Cappuccino.

- trotz meiner im Ruckzuckverfahren erworbenen Ungarischkenntnisse und der Versicherung aller Reiseführer, die immer behaupten, fast alle Ungarn sprächen deutsch, gab es überall Sprachprobleme. Ich bin froh, dass ich hier wieder verstanden werde *smile*

Aber es war sicher nicht das letzte Mal, und ich werde weiter fleißig ungarisch lernen. Fröhlich